Main Echo vom 27.07.2013
Sozialer Kapitän geht von Bord
Ruhestand: Klingenberger Schulfamilie verabschiedet Rektor Theo Sauer
Klingenberg-Trennfurt
Mit Theo Sauer geht ein »sozialer, kooperativer und fähiger Kapitän« von Bord: Am Donnerstag hat die Schulfamilie - vom Hausmeister bis zur Reinigungsfrau - den Schulleiter der Konrad-Wiegand-Volksschule verabschiedet. Im Rahmen der mehrstündigen Abschiedsfeier waren sämtliche Kinder der drei Schulstandorte, Lehrer, Eltern und Vertreter der Stadtverwaltung in die neue Aula im Trennfurter Schulgebäude gekommen, um dem 62-Jährigen einen schönen Abschied in die Altersteilzeit zu bereiten.
Tanz, Musik, Theater
Mit Tanz und Musik verabschiedeten Schüler und Kollegen ihren »Kapitän«. Dazu führten die Kinder ein Theaterstück auf, und der Lehrerchor sang »Arrivederci Boss«. Gruß- und Dankesworte sprachen Bürgermeister Ralf Reichwein, Schulamtsdirektor Engelbert Schmid sowie Bettina Becker vom Elternbeirat. Theo Sauer hatte 2006 die Schulleitung der Klingenberger Grund- und Mittelschulen übernommen, nachdem er dort bereits mehrere Jahre Konrektor war. Der gebürtige Leiders- bacher ist seit 1975 als Lehrer tätig gewesen, unter anderem in Wörth.
Auch mal gegen den Strom
»Kapitän Theo« habe in der Schule Kurs und Takt vorgegeben, sagte Konrektor und Nachfolger Harald Scherg. »Du hast geführt, gesteuert und bist auch mal gegen den Strom geschwommen.« Sauer habe als Rektor viele Neuerungen miterlebt und mit auf den Weg gebracht, unter anderem die Einführung der offenen Ganztagsschule, die Jugendsozialarbeit und vor allem der Trennfurter Schulneubau. Theo Sauer war der »Fels in der Brandung«, der »ruhende Pol« im schulischen Chaos, so Scherg. Sauer sah seiner Altersteilzeit sowohl froh als auch wehmütig entgegen. Er berichtete von zahlreichen Anekdoten und Erlebnissen auf seinem Weg als Lehrer.
In seiner Abschiedsrede dankte Sauer dem Elternbeirat und Förderverein für die freundschaftlich-kollegiale Zusammenarbeit sowie der Stadt Klingenberg, mit der er manches Mal auch »zähe Überzeugungsarbeit für eine zukunftsträchtige Schulhäuser-Lösung« führen musste. Das Endziel vor Augen seien der Neubau in Trennfurt und die Sanierung in Röllfeld seiner Ansicht nach geglückt. Dankeshymnen gingen unter anderem auch an seinen Vorgänger, den »perfekten Organisator« Werner Schenk sowie an seinen langjährigen Berater Berthold Wechs. Seinem bisherigen Konrektor Harald Scherg bescheinigte er, dass dieser sich bereits »hervorragend in die Verwaltungsaufgaben des dreihäusigen Schulhauses eingelebt« habe. Zu guter Letzt erinnerte Sauer auch an den Namensgeber der Schule, Konrad Wiegand, dessen Sohn die Schule weiterhin auf vielfältigste Weise unterstütze.
Herz zum Pfand eingesetzt
Seine Kollegen, sagte Sauer, habe er versucht so weit wie möglich von Verwaltungsaufgaben zu befreien, um ihnen die »bestmöglichen Voraussetzungen für ihre pädagogische Arbeit« zu bieten. Dabei habe er immer unter der Prämisse gehandelt: »Wer Menschen gewinnen will, muss das Herz zum Pfand einsetzen.« Diesen Satz von Adolf Kolping wolle er gerne als Zukunftsmotto für alle ausgeben, die künftig an der Konrad-Wiegand-Schule arbeiten werden. Vom Kolping-Diözesan-Präses Stephan Hartmann zitierte Sauer: »Schule ist eine Institution mit Zukunft, weil wir auch die Gegenwart wichtig nehmen.« War Schule im alten Griechenland noch mit Müßiggang und Studium gleichgesetzt und später von Pflichterfüllung, Auswendiglernen und militärischem Drill geprägt, sieht Sauer die Zukunft im Zeitalter totaler Überwachung als Ausdruck eines persönlichen Hangs zum Exhibitionismus in sozialen Netzwerken ungewiss.
Vorstellungskraft überfordert
»Das wird gesellschaftliche Veränderungen nach sich ziehen, die unsere Vorstellungskraft überfordert«, prognostizierte Sauer. Er selbst habe in seinen sieben Jahren als Schulleiter versucht, die Voraussetzungen zu schaffen, dass zumindest die »Hardware« vorhanden ist, um die Schüler bestmöglich für diese Zukunft auszubilden. Zum Abschluss sangen alle Klassen ein irisches Segenslied.
Sylvia Breckl
Bildergalerie von der Verabschiedung unseres ehemaligen Rektors Theo Sauer am 25.07.2013