Main-Echo vom 13.03.2010:
Eine "Gewissensentscheidung"
Schule Trennfurt: Stadtrat beschließt mit 14:6 Stimmen millionenschweren Umbau - Bedenken quer durch Fraktionen
Klingenberg Mit 14:6 Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstag endgültig den Weg für den Umbau der Trennfurter Dr.-Konrad-Wiegand-Schule frei gemacht. Das 1970/71 errichtete Schulhaus wird abgerissen und durch einen kleineren Neubau ersetzt. Der nördlich anschließende Altbau von 1956 wird bis 2014 teilsaniert.
Wie Bürgermeister Reinhard Simon (FW) vortrug, bildet eine zweizügige Grundschule mit acht Klassen die Grundlage für die Planung des Kleinostheimer Architekten Martin Schäffner. Dieser bezifferte die Kosten auf 3,75 Millionen Euro, wovon knapp zwei Millionen auf den Ersatzbau entfallen. Er erwartet Zuschüsse in Höhe von 2,08 Millionen Euro aus Konjunkturpaket-II- und FAG-Mitteln. Der Stadt verbleibt somit ein Eigenanteil von 1,68 Millionen Euro, der auf Antrag von Reiner Wöber (FWT) „gedeckelt“ wurde.
Der notwendige Kredit wird durch die Schließung des Klingenberger Schulhauses gegenfinanziert. Zusätzliches Geld soll die Vermarktung des Klingenberger Schulgeländes sowie von zwei bis drei neuen Bauplätzen am Furtwänglerweg in die Kasse bringen.
„Nummer zu groß“
Die Bedenken gingen dennoch quer durch die Fraktionen. Von einer „Gewissensentscheidung“ sprach Willi Stritzinger (Bündnis 90/Grüne), der sein Nein letztlich mit den hohen Kosten für die finanziell klamme Stadt begründete. Für „eine Nummer zu groß“ hielt Markus Techet (CSU) das Vorhaben. Mit ihnen stimmten die Freien Wähler Fridolin Bachmann, Klaus Becker und Wolfgang Waschke sowie Peter Becker (CSU) gegen den Umbau.
Die Mehrheit schloss sich jedoch Udo Ackermann (FWT) an, für den die Vorteile überwogen. „Viele in Trennfurt meinen, eine Sanierung käme die Stadt billiger - dem ist nicht so“, betonte er. Auch Architekt Schäffner ließ keinen Zweifel daran, dass diese Variante bis zu 5,6 Millionen Euro kosten würde: „Dafür gibt es von der Regierung keinen Zuschuss.“ Ackermann warb dafür, eine in Trennfurt gesicherte zweizügige Grundschule auch als „Chance für das Zusammenwachsen der drei Stadtteile“ zu begreifen.
Zugleich billigte der Stadtrat den Geschäftsbesorgungsvertrag mit der Bau- und Landesentwicklungsgesellschaft Bayern. Hierfür wird in die vom Landratsamt noch nicht genehmigte Haushaltssatzung 2010 eine Verpflichtungsermächtigung von 3,75 Millionen Euro aufgenommen. Ein Nachtragshaushalt ist somit laut Kämmerer Jochen Pobloth nicht erforderlich.
Vereine ziehen aus
Wie Schäffner informierte, werden in den kommenden Wochen zunächst die Vereine aus dem Altbau in andere Gebäude umziehen. Die frei werdenden Kellerräume werden für Fachunterricht genutzt. Die WC-Anlage wird entkernt, ein Hauswirtschaftsraum und ein zweiter Rettungsweg werden geschaffen. Bis zu den Sommerferien entsteht eine neue Heizungsanlage für Schule und Dreifachturnhalle. Im Herbst beginnt dann der Abriss des Südtrakts.
Main-Echo vom 18.11.2010:
Trennfurts Schule fällt in Trümmer
Abriss: Schwerer Bagger zermalmt Fassade des Südflügels -Firma Michel erhält den Zuschlag für die Erdarbeiten
Klingenberg-Trennfurt Wie ein Zähne fletschender Tyrannosaurus bohrt sich der Greifer gierig ins Gebäudegerippe, zermalmt schwere Betonteile wie Streichhölzer. Was Baggerführer Sven Schneider von der Aschaffenburger Firma Kolb da nach allen Regeln der Abbruchkunst zertrümmert, war vier Jahrzehnte lang der Südflügel der Dr.-Konrad-Wiegand-Schule in Trennfurt
In den vergangenen Wochen war der marode Bau von 1970/71 vollständig entkernt worden, erst vorige Woche wurden die Fensterscheiben demontiert. Nun ist der Abriss des Schulhauses mit schwerem Gerät in vollem Gange. Am gestrigen Dienstag kam zunächst der frühere Verwaltungstrakt an die Reihe. Noch in dieser Woche soll ein zweiter Bagger zur Verstärkung kommen - dann fällt das dreistöckige Hauptgebäude. »Die Abrissarbeiten werden sich bis Ende November hinziehen«, erläutert der städtische Bauamtsleiter Ottmar Fuß, »es kommt alles raus, auch die Fundamente.« Sondermüll wie etwa Asbest fällt aber nicht an. »Das haben wir vorab geprüft«, versichert Fuß.
Hurra, die Schule fällt: Mit Wucht zertrümmert der Abrissbagger den ehemaligen Verwaltungstrakt der Dr.-Konrad-Wiegand-Volksschule in Trennfurt.
Die Fassade des 40 Jahre alten Schulhauses (im Hintergrund) kommt voraussichtlich noch in dieser Woche an die Reihe.


Foto: Jürgen Schreiner
114 Schüler müssen pendeln
Wenn alles nach Plan läuft, beginnen im Dezember die Erdarbeiten für den kleineren Ersatzneubau. Den Zuschlag erhielt die Klingenberger Firma Michel in der Stadtratssitzung gestern Abend für 103 000 Euro. Der Rohbau soll bis Ende März 2011 stehen. Rektor Theo Sauer und Sekretärin Gabriele Klingenberger sind schon vor geraumer Zeit ins frühere Lehrerzimmer im Altbau umgezogen. »Die nasse Witterung hält die Staubentwicklung zum Glück in Grenzen«, ist der Schulleiter erleichtert. Schüler und Lehrer haben sich mit den Bauarbeiten so gut es geht arrangiert. Die Siebt-, Acht- und Neuntklässer sind im provisorisch hergerichteten Altbau untergebracht, ebenso die von Monja Weis geleitete offene Ganztagsschule.
114 Schüler müssen derzeit mit dem Bus von Trennfurt zur Schule in Klingenberg und zurück pendeln. Die vier Trennfurter Grundschulklassen sind dort ebenso ausquartiert wie die Fünft- und Sechstklässer. »Wir brauchen deshalb morgens einen zusätzlichen Bus«, berichtet Schulleiter Sauer. An der Turnhalle in Trennfurt achten Eltern als Buslotsen morgens darauf, dass die Kinder sicher einsteigen. Drüben in Klingenberg hat der frühere Hausmeister Rolf Reis nach Unterrichtsende ein waches Auge auf die Kinder.
Vereine umgezogen
Die früher im Altbau untergebrachten Trennfurter Vereine mussten in andere Quartiere umziehen. Der Musikverein beispielsweise probt derzeit in der alten TV-Turnhalle. Die frei werdenden Kellerräume werden künftig für Fachunterricht genutzt. In neuem Glanz strahlen schon der Werkraum, der Computerraum und die an Stelle der früheren Toilettenanlage eingerichtete Schulküche. Ein zweiter Rettungsweg wurde geschaffen, die neue Heizungsanlage für Schule und Dreifachturnhalle wurde übergangsweise in einem separaten Bauwerk an der Westseite installiert.
Jürgen Schreiner
Hintergrundinformationen: In den vergangenen Wochen war der marode Bau von 1970/71 vollständig entkernt worden, erst vorige Woche wurden die Fensterscheiben demontiert. Nun ist der Abriss des Schulhauses mit schwerem Gerät in vollem Gange. Am gestrigen Dienstag kam zunächst der frühere Verwaltungstrakt an die Reihe. Noch in dieser Woche soll ein zweiter Bagger zur Verstärkung kommen - dann fällt das dreistöckige Hauptgebäude. »Die Abrissarbeiten werden sich bis Ende November hinziehen«, erläutert der städtische Bauamtsleiter Ottmar Fuß, »es kommt alles raus, auch die Fundamente.« Sondermüll wie etwa Asbest fällt aber nicht an. »Das haben wir vorab geprüft«, versichert Fuß.
Inzwischen hat sich viel getan...