Einsatzmöglichkeiten in der Kleingruppen- und Einzelarbeit

 

  • Nicht nur in Förderschulen haben Kinder zunehmend Schwierigkeiten im emotionalen und sozialen Bereich, im Lern- und Arbeitsverhalten sowie im Bereich Kommunikation, Wahrnehmung und Motorik.
  • In Einzel- oder Kleingruppenarbeit mit dem Hund können zunächst die Probleme der Schüler genauer diagnostiziert werden, um sie dann mit dessen Hilfe und ohne schulischen Stress aufzuarbeiten.

  • Dadurch verbessert sich automatisch die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) der Schüler und sie können auf Dauer ihren Alltag besser bewältigen.
  • Ein zielorientiertes Arbeiten mit Hund ist in der Kleingruppe oder im Einzelunterricht viel effektiver möglich als im Klassenverband.
  • Die Lehrkraft kann sich besser auf die Interaktion zwischen Schüler und Hund konzentrieren und der Hund besser auf die einzelnen Kinder einstellen.
  • Durch die intensive Interaktion zwischen Kind(ern) und Hund und die Möglichkeit des konzentrierteren, gezielteren Arbeitens können relativ schnell gute Ergebnisse erzielt werden.

 

Fördermöglichkeiten durch einen Schulhund

Förderung der Emotionalität und des Sozialverhaltens

  • Der Hund schafft durch seine Anwesenheit eine besondere Atmosphäre. Fast alle Schüler sind durchgängig bemüht Rücksicht auf ihn zu nehmen.
  • Die Einhaltung von Regeln, die zur Sicherheit des Hundes aufgestellt werden, werden nicht diskutiert oder nicht nicht eingehalten. Schüler achten gegenseitig darauf, dass dies immer geschieht.
  • Der Kontakt zum Hund ist besonders für ausgegrenzte Schüler sehr aufbauend. Auch wenn es ihnen sehr schwer fällt auf Mitschüler auf adäquate Weise zuzugehen, ist ihr Kontaktverhalten zum Hund bestimmt durch Rücksichtnahme und Zuwendung. Einige Schüler gehen auf Grund der neuen Klassensituation mit dem Hund wieder lieber zur Schule, da der Hund die Atmosphäre an der Schule positiv beeinflusst.
  • Vor allem hat der Hund ein viel besseres Gespür für die Stimmungen und Nöte der einzelnen Schüler, die an jeder Schule häufig im Alltagsgeschehen vernachlässigt werden und handelt entsprechend.
  • Durch den Körperkontakt zum Hund werden Ängste und Unsicherheiten des neuen Schülers quasi „weggestreichelt“. Konflikte werden vermieden und durch die Zuwendung des Hundes baut sich mehr Selbstwertgefühl bei Schülern auf und sie erhalten Stabilität und Selbstsicherheit.
  • Besonders jüngere Schüler sprechen häufig frei mit dem Hund. Der Lehrer kann ihn also bewusst zu bestimmten Schülern dirigieren, wenn er das Gefühl hat, dass dies Schülern helfen würde ihre Stimmung zu verbessern und so Konflikte vermieden werden.
  • Der Hund reagiert durch seine Körpersprache klar auf den direkten Umgang mit dem Schüler. Über den Hund lernen die Schüler ihre Sprache und Körpersprache klarer und bewusster einzusetzen und ihr Kontaktverhalten zu schulen.
  • Auch als „Eisbrecher“ kommen Schulhunde häufiger zum Einsatz. Die Kontaktaufnahme zu fremden Schülern läuft über den Hund sehr viel schneller und positiver. 

Förderung der Kognition

  • Erstaunlich ist, welche Leistungen auch schwache Schüler erbringen können, wenn sie motiviert sind. Der Schulhund stellt immer wieder eine hohe Motivation dar und dadurch geling die Speicherung im Kurzzeit- Langzeitgedächtnis erstaunlich gut. Durch ein Training und Erfolgserlebnisse überträgt sich dies auf Dauer auch auf andere Lernbereiche.
  • Logisches Denken, Problemlösestrategien entwickeln und die Planung von Handlungen werden durch das real anwesende Tier und sein Handeln gut angeregt und die Folgen sind für die Schüler auch deutlich erkennbar.
  • Über den Hund und gelenkte Interaktionen kann mit hoher Motivation immer wieder aufs Neue das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis trainiert werden. Dabei kann es um einfache Befehle für den Hund gehen, Begriffe für Spielgegenstände oder Leckerlis, Körperteile, Verben, Adjektive etc.
  • Die Schüler müssen Problemlösungsstrategien entwickeln wenn der Hund etwas nicht macht, falsch macht oder Beschwichtigungssignale zeigt. Handlungsplanung ist bei der Versorgung und kleinen Übungen mit dem Hund immer wieder gefragt. 

Förderung des Lern- und Arbeitsverhaltens

  • Der Hund beeinflusst den Bereich Sorgfalt und Ordnung positiv. Schultaschen sind verschlossen, es liegen keine Essensreste, Heftzwecken, Scherben o. ä. in der Gruppe herum, denn jeder weiß, dass einige Dinge für den Hund gefährlich sein können.
  • Auch den Arbeitsbeginn und -verlauf beeinflusst ein Hund bei einigen Schülern auf jeden Fall, indem er zeitweise neben ihnen steht, sitzt oder liegt und sie sich durch das Streicheln des Hundes entspannen.
  • Auch die Bereiche Aufmerksamkeit, Selbständigkeit und Lern- und Anstrengungsbereitschaft beeinflusst der Hund bei einigen Schülern positiv . Er bietet Abwechslung und Entspannung im normalen Schulalltag und mobilisiert dadurch Kräfte für die oben genannten Bereiche.
  • Fällt ein Schüler durch Probleme im Lern- und Arbeitsverhalten auf, so kann der Hund gezielt durch Handzeichen zu diesem hingeführt werden. Die direkte Anwesenheit des Hundes bzw. die in der Regel automatisch auftretenden Streichelreflexe des Schülers entspannen allgemein schnell die Situation. Der Schüler entspannt sich und seine Lern- und Anstrengungsbereitschaft erhöht sich wieder.
  • Über das Streicheln des Hundes werden nachweislich Stress, Trauer, Aggressionen oder Depressionen bei den Schülern abgebaut. Sie werden von ihren eigenen Problemen abgelenkt, entspannen sich und können so besser lernen. Deshalb wird die Körperarbeit mit dem Hund gezielt eingesetzt.
  • Die Hunde werden auch gezielt eingesetzt um Schüler zu aktivieren und sie zu selbständigem Handeln anzuleiten. Sie übernehmen z. B. eigenverantwortlich die Fellpflege und Wasserversorgung des Hundes. 

Förderung der Motorik

  • Das ständige Streicheln des Hundes an verschiedenen Stellen des Körpers übt natürlich sowohl die Grobmotorik als auch die Feinmotorik. Der Hund zeigt dabei durch seine spontane Reaktion sofort, ob die Berührung des Schülers angemessen ist und begrüßt wird.
  • Das Bürsten des Hundes z. B. bedarf einer Handlungsplanung und –steuerung und wird von den Schülern niemals als Arbeit sondern immer als Belohnung angesehen.
  • Im Bereich der Grobmotorik können vielfältige Bewegungs- und Wurfspiele mit dem Hund geübt werden.
  • Im Bereich der Feinmotorik hilft der Hund z. B. dadurch, dass er angeleint werden muss, sein Schwanz vorsichtig gekämmt werden muss oder Futterdosen geöffnet werden müssen.
  • Auch bei der Handlungsplanung u. -steuerung gibt es vielfältige Möglichkeiten, den Hund zu beschäftigen, damit es ihm in der Gruppe nicht langweilig wird! Schüler können hier sehr individuelle Möglichkeiten entwickeln und Erfolge werden durch den Hund deutlich sichtbar. 

Förderung der Wahrnehmung

  • Ohne dass Schüler dazu aufgefordert werden müssen, strecken die meisten im Vorbeigehen die Hand nach dem Hund aus, um ihn zu berühren und zu streichen. Er animiert also dazu, die Taktile Wahrnehmung zu schulen, auch wenn der Schulhund noch nicht gezielt eingesetzt wird. Durch sein Auftreten lenkt er die Aufmerksamkeit fast aller Schüler auf sich und sie beobachten den Hund viel genauer und ausgiebiger als ihre Mitmenschen. Auch eine Schulung der Visuellen Wahrnehmung erfolgt also fast automatisch und vor allem mit einer hohen Motivation.
  • Die gezielte Beobachtung des Hundes trainiert auch die visuelle Wahrnehmung der Schüler. Kleine Beschwichtigungssignale beim Hund zu erkennen hilft dem Schüler auf Dauer dabei, auch Aspekte der Körpersprache und Mimik der Mitmenschen schneller zu erkennen. Dadurch kommt es zu einer besseren Einschätzung und Konflikte werden vermieden.
  • Für die Taktile Wahrnehmung bietet der Hund durch gelenkte Interaktion eine Vielzahl an Übungen auch im Klassenverband. Mit verbundenen Augen können Körperteile, Spielzeuge, Halsbänder etc. des Hundes erfühlt werden. Die unterschiedliche Fellbeschaffenheit kann erforscht werden.
  • Besonders bei Schülern, die den direkten Körperkontakt mit Mitmenschen scheuen, besteht häufig kein Problem beim Anfassen des Hundes und so kann dieser als Brücke zum Körperkontakt mit dem Menschen benutzt werden. Die Propriozeptive Wahrnehmung (Kraftdosierung) kann ebenfalls über das Anfassen und Streicheln des Hundes sehr gut trainiert werden. Auch die Vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewicht) wird über das Medium Hund und Spiele mit ihm mit hoher Motivation immer wieder neu aufgearbeitet. Selbst bei der Olfaktorische Wahrnehmung kann er massive Hilfestellung geben, da die Nase das ausgeprägteste Sinnesorgan des Hundes ist und vielfältige Spiele mit den Schülern hier möglich sind.
  • Die Koordination von Grundfähigkeiten ist durch Koppelung einfacher Handzeichen und Befehle für den Hund sehr schön und mit einer äußerst hohen Motivation zu üben. Wahrnehmungsbeeinträchtigen Kindern gelingt es nicht selbstverständlich ein einfaches Zeichen mit einem kleinen Befehl zu koppeln. 

Auswirkungen von Hunden auf die soziale Integration von Kindern

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich die Beziehung zwischen überwiegend ausländischen Schülern und Hunden gestaltete individuell unterschiedlich gestaltete, allgemein ergaben sich aber nach Auswertung der Aufzeichnungen folgende Punkte:

  • Die Schüler besuchten die Schule lieber.
  • Ruhige, unbeteiligte Schüler wurden aus der Isolation geholt.
  • Auffälligkeiten anderer Schüler reduzierten sich.
  • Die Schüler beschäftigten sich weniger allein sondern hatten mehr positive Sozialkontakte.
  • Die Pädagogin wurde als „Herrin des Hundes“ mehr geachtet.
  • Es waren also keine negativen, sondern nur positive Auswirkungen durch die Hunde in der Schule zu verzeichnen.